Paralympische Bewegung und Spiele
Die Paralympischen Spiele werden vom Internationalen Paralympic Committee (IPC) organisiert und finden jeweils wenige Wochen nach den Olympischen Spielen in derselben Stadt und an denselben Sportstätten statt.
Geschichtlicher Überblick
Die Paralympics gehen auf eine Initiative des aus Deutschland emigrierten Neurologen Sir Ludwig Guttmann zurück. Im Jahr 1944 errichtete er auf Nachfrage der britischen Regierung ein Zentrum für Rückenmarksverletzte im Stoke Mandeville Hospital, in der Nähe von London gelegen. Dort führte Dr. Guttmann Sport als eine Form der Erholung und als ein Hilfsmittel der Rehabilitation ein. Seine Arbeit führte zu einer wachsenden Bedeutung des Sports für Menschen mit Rückenmarksverletzungen und schließlich zu den ersten Internationalen Stoke Mandeville Spielen. Als sich die Stoke Mandeville Spiele immer mehr zu einem Großereignis entwickelten, kamen weitere behinderungsspezifische Sportarten hinzu. Die ersten Sommerspiele fanden 1960 in Rom in Italien, statt, wohingegen die ersten Winterspiele 1976 in Örnsköldsvik in Schweden abgehalten wurden.
Im Jahr 1988 erhielten sie offiziell den Namen Paralympics, der sich ursprünglich aus den Worten „paraplegic" (querschnittsgelähmt) und „Olympics" zusammensetzte. Damit sich aber auch Athleten mit anderen Behinderungsarten zugehörig fühlten, definierte man den Namen neu: Er setzt sich jetzt aus dem griechischen „Para" (neben) und „Olympics" zusammen und drückt somit das Nebeneinander der Spiele und die Nähe zur Olympischen Bewegung aus. Aus diesem Grund finden die Paralympischen Spiele seit 1988 wenige Wochen nach den Olympischen Spielen am selben Austragungsort in denselben Sportstätten statt. Seit der Bewerbung für die Olympischen Spiele 2008 müssen die Bewerberstädte auch die Ausrichtung der Paralympischen Spiele mit einbeziehen.
Heute sind die Paralympics ein Elite-Sportevent, das zeigt, was Athleten mit Behinderungen leisten können. So hat neben der Anzahl der Teilnehmer auch das Leistungsniveau seit 1948 stark zugenommen. Während 1960 in Rom 400 Athleten aus 23 Ländern teilnahmen, kamen 2008 schon 3951 Athleten aus 146 Ländern nach Peking in China.
International Paralympic Comittee (IPC)
Das IPC wurde 1989 gegründet und ist die internationale Dachorganisation der Paralympischen Bewegung und überwacht und koordiniert die Paralympischen Sommer- und Winterspiele. Des Weiteren dient es als Internationaler Verband für neun Sportarten, für die es auch Welt- und regionale Meisterschaften koordiniert. Im Augenblick sind 165 Nationale Paralympische Komitees sowie vier internationale Behindertensport-Verbände Mitglied im IPC sowie zahlreiche Sportverbände, deren Sportarten nicht im IPC organisiert sind (z.B. Rudern, Radsport). Präsident ist der ehemalige Rollstuhlbasketlballer und Paralympics-Teilnehmer Sir Philip Craven.
Sportarten der Paralympischen Winterspiele
Insgesamt werden Wettbewerbe in fünf Sportarten ausgetragen: Ski Alpin und Ski Nordisch sowie Sledge-Eishockey, Rollstuhl-Curling und Biathlon.
Klassifizierung
Klassifizierung dient der Strukturierung und fairen Durchführung von Wettkämpfen. Ähnlich wie beim Ringen, Boxen und Gewichtheben, wo man die Athleten in Gewichtsklassen einteilt, werden Sportler in Kategorien eingeteilt, welche nach dem Funktionsgrad definiert sind und die Auswirkungen verschiedener Behinderungen auf die Ausübung der jeweiligen Sportarten berücksichtigen.
Zurzeit werden sechs verschiedene Behinderungsgruppen unterschieden: Zerebralparetiker, Athleten mit Rückenmarksverletzungen, Amputierte, Sehgeschädigte (Sehschädigung oder Blind), Menschen mit geistiger Behinderung und Les Autres (in dieser Klasse treten Athleten mit unterschiedlichen Behinderungen an, die in keine der anderen Behinderungsklassen eingeordnet werden können).
Die Einteilung eines Athleten in eine bestimmte Klasse bedarf einer Reihe von Abläufen, die eine physische und technische Bewertung und Beobachtung beinhaltet, die während und auch außerhalb von Wettkämpfen stattfindet. Die Definitionen jeder Klasse sind sportartspezifisch und im jeweiligen Regelwerk festgelegt.
Da Klassifizierung ist ein dynamischer Prozess, wird jeder Athlet zu Beginn seiner sportlichen Karriere klassifiziert und im Laufe der Zeit wiederholt getestet. Dabei kann sich die jeweilige Klasse dementsprechend ändern.

