Das Umweltkonzept -
Nachhaltigkeit ist Trumpf

Ökologische Spiele mit besten Bedingungen für die Athleten, die Olympische Familie, die Besucher und die Menschen in der Region sind ein Ziel der Bewerbung

Die Ausgangslage

Winterlandschaft Garmisch-PartenkirchenWinter in Garmisch-Partenkirchen (© Nagel Werbeagentur)Die Austragungsorte der Münchener Bewerbung für die Olympischen und Paralmpischen Winterspiele 2018 liegen in Oberbayern, im südlichen Teil von Deutschland. Die oberbayerische Landschaft ist von ihren zahlreichen Seen und Flüssen sowie den Bayerischen Alpen mit der Zugspitze, dem höchsten Berg Deutschlands, gekennzeichnet.

Eine hohe Luftqualität, eine breitgefächerte und oft einzigartige Kulturlandschaft sowie eine Vielzahl an Landschafts- und Naturschutzgebieten prägen die Region. Hierzu zählt beispielsweise der Nationalpark Berchtesgaden, der die Natur- und Lebensräume vieler Arten schützt. Aufgrund dieser ausgezeichneten Umweltbedingungen hat sich die Region zu einem international beliebten Urlaubs- und Naherholungsziel entwickelt.
Einheimischen und Besuchern steht ein vielseitiges Angebot an Freizeit- und Erholungsmöglichkeiten sowie an Natur- und Kulturerlebnissen zur Verfügung und sorgt für eine gute Lebensqualität.

Die Ziele

Den hohen Anforderungen an die ausgezeichnete Luft- und Lebensqualität sowie den Natur- und Landschaftsschutz möchten München, Garmisch-Partenkirchen und das Berchtesgadener Land auch als Ausrichter von Olympischen Spielen gerecht werden. So sind die Kernpunkte des vom Internationalen Olympischen Komitee (IOC) ausgezeichneten Leitfadens „Green Champions“ in die Bewerbung eingeflossen. „Green Champions“ hat der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) gemeinsam mit dem Bundesumweltministerium (BMU) erarbeitet, um Umweltbelastungen großer Sportveranstaltungen weitgehend zu vermeiden. So können neue Standards für den Umweltbereich gesetzt werden.

Die Maßnahmen

Im Sinne der Nachhaltigkeit werden größtenteils vorhandene Sportstätten genutzt und bestehende Transport- und Tourismusinfrastrukturen ausgebaut. Soweit neue Anlagen oder Verbesserungen notwendig sind, werden höchste ökologische Standards angewendet. Die optimale Nachnutzung der neuen oder verbesserten Infrastruktur wird hat von Anfang an hohe Priorität.
Die kurzen Wege für Athleten, Olympische Familie, Zuschauer und Medien minimieren das zusätzliche Verkehrsaufkommen. Zudem reduziert der Einsatz umweltverträglicher Transportmittel, zum Beispiel der Öffentlichen Verkehr oder Elektro- oder Hybridfahrzeuge, verkehrsbedingte Umweltbelastungen.
Für den Bau neuer Anlagen greifen die Planer auf bereits genutzte Flächen, so genannte Konversionsflächen, zurück anstatt unbesiedeltes Gelände in Anspruch zu nehmen. Bei nicht vermeidbaren Eingriffen in Natur und Landschaft werden ökologische Ausgleichsmaßnahmen vorgenommen.
Für die Schlüsselthemen wie Energieverbrauch, Abfallrecycling, Wasserbedarf oder Naturschutz werden modernste Konzepte erarbeitet, die Eingriffe so weit wie möglich vermeiden und reduzieren sollen. Wenn Eingriffe nicht vermeidbar sind, werden sie vollständig kompensiert, so dass die Spiele CO2-neutral durchgeführt werden können.

Neubau und Verbesserung von Sportanlagen und Gebäuden

Grundlage für die Sportstättenplanung war die kritische Bedarfsprüfung und ein ökologisch und ökonomisch ausgewogenes Konzept für die Nachnutzung. Für notwendige neue Anlagen oder Verbesserungen werden höchste ökologische Standards angewendet. Die optimale Nachnutzung der neuen oder verbesserten Gebäude und Einrichtungen ist ein wichtiger Eckpunkt im Rahmen der Planung.
Ist kein dauerhafter Bedarf für eine für die Olympischen Spiele benötigte Sportstätte vorhanden, wird diese temporär erstellt. Nach dem aktuellen Planungsstand trifft dies beispielsweise für die Sportarten Biathlon oder Langlauf zu. Für den Bau der temporären Anlagen kommen Materialien, Elemente und Einrichtungen zum Einsatz, die langlebig, ökologisch und gesundheitlich unbedenklich sind. Die verwendeten Materialien und Bauelemente werden an anderer Stelle später nachgenutzt.

Verkehr

Die kurzen Wege für Athleten, Olympische Familie, Zuschauer und Medien minimieren das zusätzliche Verkehrsaufkommen. Darüber hinaus setzt das Verkehrskonzept in hohem Maß auf umweltverträgliche Transportmittel, um verkehrsbedingte Umweltbelastungen zu vermeiden.

Große Straßenbaumaßnahmen, die nicht in anderen Zusammenhängen schon geplant und politisch entschieden sind (wie z.B. der Oberau- oder der Kramertunnel), sind für die Durchführung der Olympischen Winterspiele 2018 nicht erforderlich. Zusätzlich wird der Ausbau der Bahnstrecke zwischen München und Murnau vorangetrieben. Die Verbindung des öffentlichen Personennahverkehrs zwischen München und Garmisch-Partenkirchen wird dadurch dauerhaft schneller und komfortabler. So steigt auch für Pendler und Touristen der Region Garmisch-Partenkirchen die Attraktivität der umweltfreundlichen Transportalternative.

Klima/Energie

Energieeinsparpotenziale werden durch modernste technische und organisatorische Maßnahmen erschlossen. Der notwendige Energiebedarf wird so weit wie möglich über regenerative Energieerzeugung gedeckt. Nicht vermeidbare CO2-Emissionen wie z.B. durch die Anreise der Athleten werden durch hochwertige Klimaschutzprojekte kompensiert. Bereits heute hat z.B. Garmisch-Partenkirchen etliche Maßnahmen ergriffen, die sich positiv auf die Luftqualität und die Natur auswirken, etwa die Umrüstung der Busflotte der Gemeindewerke auf Erdgas. Des weiteren wurden 2008 mehr als 5.000 Haushalte mit CO2-freier Stromeigenerzeugung versorgt. 2009 werden nochmals 6.000 Haushalte dazu kommen und rund 40 Prozent des gesamten Stromverbrauchs im Ort abgedeckt. Damit werden die CO2-Emissionen um ca. 10.000 Tonnen pro Jahr reduziert.

Abfall/Wasser

Die Konzepte für Wasser und Abfall stellen die Reduzierung des Ressourceneinsatz in den Vordergrund. Nicht vermeidbare Abfälle werden umweltfreundlich verwertet, nicht verwertbare Abfälle fachgerecht entsorgt. Die Abfallmengen werden durch verpackungsfreie Systeme bzw. Mehrwegsysteme soweit wie möglich reduziert. Für Biomüll, Leichtverpackungen, Papier, Glas und Restmüll werden getrennte Sammelsysteme eingerichtet.

Die Materialien, Einrichtungsgegenstände und sonstige Ausstattungen von temporären Bauten werden nach der Nutzung weiterverwendet, verkauft oder verschenkt.

Da Trinkwasser eine äußerst wertvolle Ressource ist, wird durch zahlreiche Maßnahmen der Wasserverbrauch und die Abwassermenge soweit möglich minimiert.

Natur und Landschaft

Die Planung Olympischer Spiele in München, Garmisch-Partenkirchen und Schönau am Königssee beabsichtigt, Eingriffe in Natur und Landschaft auf das absolut Notwendige zu beschränken. Deshalb greifen die Planer für den Bau neuer Anlagen konsequent auf Konversionsflächen zurück anstatt unbesiedeltes Gelände in Anspruch zu nehmen. Nicht vermeidbaren Beeinträchtigungen von Natur und Landschaft werden durch ökologische Ausgleichsmaßnahmen kompensiert.

Entwickelt wird das Umweltkonzept und das vom IOC geforderte Umweltscreening vom Institut für Natursport und Ökologie der Deutschen Sporthochschule Köln sowie dem Öko-Institut e.V.. Beide Institute haben hierzu eine gemeinsame Arbeitsgemeinschaft gebildet und begleiten den Bewerbungsprozess.

Winter in Garmisch-Partenkirchen